Im Spätherbst des Lebens fallen allmählich tatsächliche und eingebildete Schranken und Notwendigkeiten.
Ein an Eindrücken und Erfahrungen reiches und erfülltes Leben geht zur Neige.
Es muss nichts mehr geleistet oder erreicht werden.
In jedem Augenblick ist es genug, ein Zustand innerer Weite und Freiheit.

Es geht immer weniger ums "Anpacken" als ums Üben der "Kunst des unreflektierten sich-beeindrucken-lassens".
Im Unbewussten formen sich Impulse und Ideen.
Diese tauchen zu ihrer Zeit im Bewusstsein auf, oft schemenhaft, in Bruchstücken oder auch mit überraschender Klarheit.
Ihnen versuche ich angemessenen künstlerischen Ausdruck zu geben.

In dieser Zeit geraten viele Erfahrungen, Vorstellungen, Gewohnheiten, Denk- und Verhaltensmuster in Bewegung, auch die eigenen.
In vielen Aspekten hat diese Zeit eine Qualität wie die Jahre um 1968.
Heute wie damals gilt es, Zwecke und Begründungen ein Stück weit hintan zu stellen,
auf neue Weise zu fragen, zu experimentieren, um dem Ungesagten und Unerhörten Raum zur Entfaltung zu geben.

"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist."
Diese Aussage Victor Hugos trifft für alle künstlerischen Ausdrucksformen zu.
Kunst muss mehr sein als Kitt und Schmiermittel für die Gesellschaft.

Oktober 2021

When I'm Gone

I won't be laughing at the lies when I'm gone
And I can't question how or when or why when I'm gone
Can't live proud enough to die when I'm gone
So I guess I'll have to do it while I'm here.

Phil Ochs 1966